
Falls Sie jemals unerwartet über LinkedIn eine Nachricht von einem Personalvermittler mit einem lukrativen Beratungsangebot erhalten haben, warnen die Geheimdienste: Seien Sie äußerst vorsichtig.
Ein gemeinsames Bulletin des FBI, MI5, des australischen ASIO, des kanadischen CSIS und des neuseeländischen NZSIS, das Anfang dieser Woche veröffentlicht wurde, warnt davor, dass Chinas Militärgeheimdienste aktiv berufliche Netzwerke und Online-Jobplattformen nutzen, um westliche Arbeitnehmer zur Herausgabe sensibler Informationen zu rekrutieren.
Laut dem Bulletin mit dem Titel „Unsere Geheimnisse schützen“ geben sich chinesische Geheimdienstmitarbeiter – oder Dritte in ihrem Auftrag – als Angestellte privater Beratungsfirmen, Thinktanks und Personalvermittlungsagenturen aus.
Diese Scheinfirmen geben angeblich vor, außerhalb Chinas ansässig zu sein, um einen Anschein von Legitimität zu erwecken. Sie sollen vor allem Personen ansprechen, deren Karriere jemals mit Regierung, Verteidigung oder Außenpolitik in Berührung gekommen ist.
Das Bulletin beschreibt die verschiedenen Phasen der Operation.
Zunächst werden Stellenanzeigen auf Plattformen wie LinkedIn, Indeed und Upwork veröffentlicht. Die Lebensläufe der Bewerber werden danach sortiert, wie wahrscheinlich es ist, dass sie Zugang zu sensiblen Informationen haben.
Es folgen Online-Interviews, in denen die Personalverantwortlichen ihre Identität verbergen und die Bewerber gezielt nach möglichen Kontakten zu Regierungsbehörden befragen. Bewerber beim Militär werden unter Umständen zu ihren Aufgaben, den Aktivitäten ihrer Einheit, ihrem Standort oder sogar dem Marineschiff, auf dem sie dienen, befragt.
Erfolgreiche Kandidaten werden anschließend gebeten, einen Probebericht zu einem scheinbar harmlosen Thema zu verfassen. Laut der Ausschreibung umfassen die Themen unter anderem die bilateralen Beziehungen zu China, die Indo-Pazifik-Region und damit verbundene Verteidigungsfragen sowie den internationalen Handel.
Sobald eine Zusammenarbeit etabliert ist, wird den Bewerbern mitgeteilt, dass für weitere Projekte vertraulichere Informationen benötigt werden. Die Kommunikation verlagert sich daraufhin auf eine verschlüsselte Messenger-App.
Die Bewerber dürften erfreut sein zu erfahren, dass sie pro Bericht zwischen einigen Hundert und mehreren Tausend Dollar verdienen – die Zahlungen erfolgen über Plattformen wie PayPal, Payoneer, Zelle, Skrill, Wise, Western Union oder Kryptowährung.
Laut Geheimdiensten benötigen Zielpersonen keine Sicherheitsfreigabe, um für chinesische Spione von Nutzen zu sein. Selbst unklassifizierte Informationen über Regierungspolitik, Militärstrategie oder Fähigkeiten können mit sensibleren Daten kombiniert werden, um ein umfassendes Lagebild zu erstellen.
Potenzielle Zielpersonen sind laut dem Bulletin unter anderem Akademiker, Journalisten, freiberufliche Autoren und Mitarbeiter von Thinktanks.
Selbst wenn man sich nur auf eine Stelle bewirbt und nicht weiterkommt, bestehen Risiken. Westliche Geheimdienste warnen davor, dass allein die Einreichung eines Lebenslaufs mit Angaben zum beruflichen Werdegang, Fachwissen und beruflichen Kontakten bereits einen Geheimdienstwert besitzt.
Die Geheimdienste der Five Eyes-Allianz, die die Warnung veröffentlicht haben, geben an, bereits Personen identifiziert zu haben, die für China tätig waren und denen nun strafrechtliche Verfolgung, der Verlust ihres Arbeitsplatzes und der Entzug der Sicherheitsfreigabe drohen.
Potenzielle Zielpersonen werden dringend gebeten, unaufgeforderten Kontaktaufnahmen mit Skepsis zu begegnen, insbesondere wenn ein Stellenangebot auffällig gut auf ihren spezifischen Hintergrund zugeschnitten erscheint oder die Online-Konversation schnell auf eine verschlüsselte Messenger-App verlagert wird.
China hat das Bulletin erwartungsgemäß zurückgewiesen und dessen Behauptungen als „völlig erfunden“ und „böswillige Verleumdung“ bezeichnet, bevor es die Mitglieder der Five Eyes als die eigentliche Bedrohung für die internationale Stabilität darstellte.
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